Zahlen auf der Landebahn sind keine Reihenfolge, sondern der Magnetkurs
Die großen weißen Zahlen an den Landebahnschwellen zeigen den auf zehn Grad gerundeten Magnetkurs: Bahn 24 zeigt etwa auf 240 Grad, also nach Südwesten – und derselbe Betonstreifen heißt bei Betrieb aus der Gegenrichtung 06.
Die Bahnnummer ergibt sich aus dem Magnetkurs ihrer Richtung: Der Kurs wird durch zehn geteilt und gerundet, sodass die Richtung 237° die Bahn 24 ergibt. Ein und derselbe Streifen wird in beide Richtungen beflogen, weshalb jede Bahn zwei Nummern hat, die sich um genau 18 unterscheiden – also um 180 Grad. In Prag teilen sich so 06 und 24 einen Beton, und 12 mit 30 einen weiteren. Liegen parallele Bahnen mit gleichem Kurs nebeneinander, unterscheidet sie ein Buchstabe: L für links, C für die mittlere, R für rechts. Liegen vier oder mehr parallele Bahnen nebeneinander, reichen die Buchstaben nicht mehr aus – ein Teil der Bahnen trägt dann eine um eins verschobene Nummer, obwohl er in dieselbe Richtung zeigt.
- Differenz der Zahlen beider Bahnenden
- 18 (180°)
- Parallele Bahnen
- Zusatz L / C / R
- Bahnen in Prag (LKPR)
- 06/24 und 12/30
- Höchste Zahl
- 36 (Kurs 360° – nach Norden)
Für die Besatzung ist die Zahl eine Kontrolle auf den ersten Blick: Nach der Ausrichtung auf die Bahnachse muss der Kompass etwa das Zehnfache der vor dem Fenster aufgemalten Zahl anzeigen – tut er das nicht, steht das Flugzeug auf der falschen Bahn. Welches Ende gerade „in Betrieb“ ist, bestimmt die Flugsicherung vor allem nach dem Wind: Gelandet und gestartet wird gegen den Wind, sodass sich bei einer Winddrehung der gesamte Flughafenbetrieb dreht.
Gegen den Wind wird geflogen, weil sowohl Start als auch Landung von der Geschwindigkeit relativ zur Luft abhängen, nicht relativ zum Boden. Der Gegenwind übernimmt einen Teil dieser Geschwindigkeit von selbst: Das Flugzeug hebt ab und setzt bei niedrigerer Geschwindigkeit gegenüber der Bahn auf, sodass eine kürzere Startstrecke und ein kürzerer Ausrollweg genügen. Seitenwind erschwert dagegen die Landung – jeder Typ hat sein Limit, und überschreitet der Wind dieses, verlagert sich der Betrieb auf eine Bahn, die besser gegen den Wind zeigt. Auch deshalb haben große Flughäfen Bahnen in zwei Richtungen; in Prag 06/24 und 12/30.
In welche Richtung in Prag gelandet wird
aus unseren Aufsetzmessungen, 10.–29. 8. 2026
| Bahn 24 (nach Südwesten) | 42 % | 1 872× |
|---|---|---|
| Bahn 06 (nach Nordosten) | 32 % | 1 424× |
| Bahn 30 | 15 % | 669× |
| Bahn 12 | 11 % | 471× |
Die Anteile berechnen wir aus 4.436 Landungen, bei denen unser Netzwerk das Aufsetzen gemessen und die Bahn zugeordnet hat. Landungen gegen die vorherrschende südwestliche Strömung erfolgen gerade auf Bahn 24.
Bahnauslastung im Flughafenprofil
Flughafen Václav Havel Prag
Was sonst noch auf der Landebahn aufgemalt ist
- Breite Querstreifen am Anfang markieren die Schwelle – den Punkt, an dem ein Flugzeug erstmals aufsetzen darf. Pfeile davor bedeuten eine verschobene Schwelle: Auf diesem Abschnitt wird nicht gelandet, gerollt werden kann dort aber schon.
- Ein Streifenpaar ein Stück hinter der Schwelle markiert die Aufsetzzone – das Ziel, wo das Flugzeug aufsetzen soll, damit genug Bahn zum Abbremsen bleibt.
- Durchgezogene gelbe Querbalken auf den Rollbahnen vor der Einfahrt zur Landebahn sind Warteposition – ohne Freigabe des Towers darf man sie nicht überschreiten.
Die Zahlen gelten dabei nicht für immer: Der magnetische Nordpol wandert langsam, und mit ihm verschieben sich auch die Magnetkurse. Überschreitet die Verschiebung die halbe Zehnergrad-Grenze, nummeriert der Flughafen die Bahn um – Schwellen werden neu bemalt, Karten, Navigationsdatenbanken und Namen der Instrumentenanflüge werden umgeschrieben. Eine „neue“ Bahn in der Geschichte eines Flughafens ist also meist derselbe Beton mit geändertem Namen – und weltweiten Flughäfen passiert das im Zuge der Polwanderung immer wieder. Erst in der Nähe der magnetischen Pole, etwa im Norden Kanadas, ist auf den Kompass gar kein Verlass mehr – dortige Bahnen werden deshalb nach geografisch Nord nummeriert.
Im Profil jedes beobachteten Flughafens zeigen wir die aktive Bahn live danach, wo Flugzeuge in den letzten Minuten tatsächlich aufsetzen und von wo sie starten; die langfristige Auslastung der Richtungen findet sich im Reiter Statistiken. Eine gesperrte Bahn zeichnen wir im Plan durchgestrichen – so erkennt man auch den Beton, auf dem gerade nicht geflogen wird.